Fehlerquellen beim Onlineshop-Start: Was Gründer beachten sollten
Wer mit einem Onlineshop schnell starten will, unterschätzt oft den Aufwand hinter Technik, Prozessen und Recht. Das Risiko für holprige Abläufe, verlorene Erstkunden oder teure Abmahnungen steigt. Der folgende Beitrag zeigt typische Fehlerquellen von Hosting und Zahlungsanbindung bis zu Versand, Preisangaben und Pflichttexten. Er erklärt, wie Gründer mit klarer Struktur, Tests und Checklisten sicher live gehen. So wird aus der Idee ein funktionierender Shop statt ein teures Baustellenprojekt.
Während weite Teile der deutschen Wirtschaft seit vielen Jahren schwächeln, zeigt sich in der E-Commerce-Branche ein anderes Bild. Der Onlinehandel wuchs laut dem Online-Monitor 2025 des HDE Handelsverbandes Deutschland zuletzt um knapp 4 % und damit fast doppelt so stark wie der Offline-Handel. An dieser Wachstumsbranche zu partizipieren, ist für Gründer aus nachvollziehbaren Gründen interessant: Aber mit einer Idee allein ist es nicht getan. Die wirkliche Herausforderung liegt in der Umsetzung.
Schneller Shopstart trifft auf komplexe Realität
Die eigene Idee hat sich im Kopf festgesetzt, die Vision ist in der Netzhaut eingebrannt: Gute Voraussetzungen für das künftige Online-Start-up, mehr aber auch nicht. Ideen haben alle Menschen, häufig gleich mehrere pro Tag. Eine Vision zu haben, ist ebenfalls leicht, schließlich braucht es dafür nur etwas Fantasie, das geht sogar auf dem heimischen Sofa.
Schwierig wird es erst bei der Transformation einer theoretischen Idee hin zu einer erfolgreich gelebten Praxis: Vor allem erstmalige Gründer unterschätzen da maßgeblich den Aufwand, die Zeit und das Geld, das zwischen der Theorie und der Praxis steht. Da fallen nämlich die wirklich wichtigen Schritte an, die später über Erfolg und Misserfolg entscheiden.
Eine detaillierte technische Planung mitsamt effizienten Prozessen, um den Shop überhaupt auf die symbolischen Beine zu bringen. Auswahl von Hosting- und Payment-Providern, nahtlose Integration von Schnittstellen sowie eine durchdachte Organisation, die auch berücksichtigt, dass der Tag nun einmal nur 24 Stunden hat. All das und noch mehr steht an, bevor es überhaupt zum allerersten Verkauf kommen kann.
Dabei wird auch kein Auge zugedrückt: Der Gesetzgeber schaut vom ersten Tag an genau hin, weshalb alle rechtlichen Anforderungen und Rahmenbedingungen erfüllt sein müssen. Die Kunden verzeihen auch nicht, schließlich geben die Geld aus und erwarten damit zu Recht einen einwandfreien Ablauf ebenso wie die versprochene Qualität. Alles, was nicht funktioniert, wird dem Online-Start-up anhaften, womöglich für Monate und Jahre. Deshalb soll aus nachvollziehbaren Gründen vom ersten Tag an alles funktionieren.
Typische Fehlerquellen beim Start und ihre Folgen
Fehler treten beim Start eines Onlineshops weiterhin häufiger auf, als es notwendig wäre. In der Praxis zeigen sich immer wieder ähnliche Schwachstellen: Dazu zählen unter anderem veraltete oder fehlerhafte Widerrufsbelehrungen, ein unvollständiges oder fehlendes Impressum sowie Verstöße gegen die Vorgaben zu wettbewerbskonformen Preisangaben. Herausfordernd ist, dass die möglichen Fehlerquellen vielseitig sind und sich nicht nur auf einen Aspekt der Gründung beschränken.
1. Fehler bei der technischen Umsetzung
Findet alles im digitalen Raum statt, muss die Technik einwandfrei funktionieren. Das tut sie nicht, wenn schon die falsche Hosting-Lösung gewählt wurde, weil man da zum Beispiel lieber Geld sparen, statt auf Leistung setzen wollte. Womöglich funktionieren auch Payment-Schnittstellen, das Warenwirtschafts- oder ERP-System nicht tadellos oder die Skalierungsmöglichkeiten werden in den Anfangstagen gänzlich vergessen.
Die unterschiedlichen Fehler können verschiedene Probleme auf den Plan rufen: Eine schlechte Performance, spätere teure Systemmigrationen, stockende Skalierung oder technische Abhängigkeiten von Dienstleistern, mit denen man selbst nicht zufrieden ist.
2. Hürden bei der Bestellabwicklung, Lagerung und dem Versand
Diese Fehler sind besonders teuer, denn sie vergraulen die ersten Kunden – und gerade die sind wichtig, damit zunächst Geld in die digitale Kasse kommt. Verzögerungen hinterlassen ein schlechtes Bild, lange Reaktionszeiten verunsichern Erstbesteller und eine nicht optimierte Lagerung stellt die Weichen auf logistisches Chaos.
Gesellen sich noch fehlerhafte oder rechtswidrige Produkt- und Preisangaben dazu, wirkt das nicht nur unseriös, sondern kann in teuren Abmahnungen resultieren. Hakt es bei der Technik ebenso, funktioniert quasi gar nichts mehr: Denn nun erstrecken sich die Probleme über alle Schnittstellen und Systeme, die Aufräumarbeit wächst exponentiell. Besonders gefährlich ist dies für Solo-Gründer, bei denen Zeit sowieso schon Mangelware ist.
3. Rechtliche Stolperfallen aufgrund fehlender Informationen
Diese Fehler sind eigentlich am einfachsten vermeidbar, hier hilft schon eine gründliche Checkliste. Vor allem ist auf solche Angaben zu achten:
- Impressumspflicht
- rechtssichere AGB
- aktualisierte und den rechtlichen Rahmenbedingungen entsprechende Widerrufsbelehrung
- Bereitstellung und Einhaltung der Datenschutzerklärung mitsamt den Datenschutzvorgaben
Fehlt es daran oder an vergleichbaren Rechtstexten, werden die ersten teuren Abmahnungen nicht lange auf sich warten lassen.
Risiken vermeiden mit Struktur und Prüfung
Risiken zu identifizieren ist der erste Schritt, der zweite Schritt ist nun, sie im Hier und Jetzt ebenso wie perspektivisch zu eliminieren. Dafür sollte, bevor der Onlineshop überhaupt live geht, eben diese Go-online-Phase von Beginn an klar strukturiert sein. Dazu gehört, die jeweiligen Zuständigkeiten entsprechend aufzuteilen.
In Testing-Phasen werden Abläufe mehrfach und auf unterschiedliche Weise durchgespielt. Checklisten sind eine große Hilfe. Zudem können Gründer Freunde und Verwandte den Prozess durchlaufen lassen. Jedes Paar Augen kann potenziell Fehler entdecken, die zuvor versteckt blieben. Mehrere Testbestellungen sollten unbedingt vor der Live-Schalte durchgeführt werden.
Produktdaten und Preisangaben sind immer nach dem 4-Augen-Prinzip zu prüfen. Das gilt für jedes Produkt und jede Sortimentserweiterung aufs Neue. Es gilt sogar für alles Alte: Was schon da ist, muss in festen Intervallen ebenfalls wieder und wieder geprüft werden – beispielsweise einmal pro Monat.
Vor allem ist dabei auf die rechtlichen Vorgaben zu achten. Preise müssen beispielsweise entsprechend der Preisangabenverordnung gegebenenfalls mit Grundpreisen gekennzeichnet werden, auch gibt es klare Spielregeln, welche Preisangaben sich nach stattgefundenen Rabattierungen noch auf der Seite befinden müssen. Jeder Rechtstext im Shop gehört fachmännisch formuliert und geprüft. Daher kann es für Gründer sinnvoll sein, sich die Hilfe von externen Rechtsexperten ins Boot zu holen und auf fachlich geprüfte Rechtstexte für Onlineshops zurückzugreifen statt auf Eigenformulierungen.
Gründung mit Verantwortung: Das heißt auch, dass nicht nur die Idee im Mittelpunkt steht
Die meisten Seriengründer sind nicht deshalb so erfolgreich, weil sie ständig besonders innovative Ideen haben. Sie sind erfolgreich, weil sie feste Abläufe schaffen, in die nötige Vorbereitung investieren und die typischen Fehlerquellen schon kennen und gemeistert haben. Erstmalige Gründer haben diesen Luxus nicht, sie können sich aber zumindest möglichst detailliert auf die Gründung vorbereiten. Das reduziert rechtliche Risiken, Startprobleme und sorgt für Wirtschaftlichkeit.
"Move fast and break things" funktionierte vielleicht für Mark Zuckerberg, für die allermeisten Gründer ist so eine Denkweise aber nur ein omnipotentes, enormes Risiko. Besser: Nicht nur schnell online gehen, sondern Technik, Prozesse und Rechtsaspekte sauber planen und umsetzen.
Ein Beitrag von Sandra May
Bild: austindistel, https://unsplash.com/de/fotos/three-men-sitting-while-using-laptops-and-watching-man-beside-whiteboard-wD1LRb9OeEo
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Volljuristin Sandra May
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