Skip to main content

Corona-Pandemie bremst Zahl der Unternehmensgründungen

Für 2020 verzeichnet das Statistische Bundesamt (Destatis) 6,4 % weniger Gründungen größerer Betriebe im Zeitraum Januar bis September. Gründe sehen die staatlich berufenen Statistiker vor allem auch in Sondereffekten durch Corona-Pandemie.

Einer aktuellen Pressemeldung zufolge wurden von Januar bis September 2020 in Deutschland rund 88 200 Betriebe gegründet, deren Rechtsform und Beschäftigtenzahl auf eine größere wirtschaftliche Bedeutung schließen lassen. Dies sind 6,4 % weniger als im Vorjahreszeitraum.

Die Ergebnisse der ersten drei Quartale 2020 werden durch eine deutlich niedrigere Zahl von Meldungen in den Gewerbeämtern ab März 2020 beeinflusst. Im Januar und Februar gab es im Vorjahresvergleich nur 2,3 % weniger Gründungen größerer Betriebe, von März bis September dann 7,7 % weniger als im Vorjahreszeitraum.

Als Gründe für den deutlicheren Rückgang seit März sehen die Statistiker zum einen die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Gewerbeämter selbst. So war deren Geschäftstätigkeit durch die Einstellung des Besucherverkehrs und Personalengpässe behindert.

Zum anderen sei auch davon auszugehen, dass viele Gewerbetreibende aufgrund der allgemeinen wirtschaftlichen Unsicherheit die weitere wirtschaftliche Entwicklung abwarten, bevor sie ein Gewerbe anmelden.

Weniger neu gegründete Kleinunternehmen, mehr Nebenerwerbsbetriebe

Die Zahl neu gegründeter Kleinunternehmen lag von Januar bis September 2020 mit rund 104 100 deutlich unter dem Vorjahreswert (-18,1 %). Die Zahl der neu gegründeten Nebenerwerbsbetriebe nahm hingegen um 5,5 % auf rund 216 900 zu. Die Gesamtzahl der Gewerbeanmeldungen sank von Januar bis September 2020 auf rund 496 200. Das sind 4,5 % weniger als im entsprechenden Vorjahreszeitraum.

Zu den Gewerbeanmeldungen zählen neben Neugründungen von Gewerbebetrieben auch Betriebsübernahmen (zum Beispiel Kauf oder Gesellschaftereintritt), Umwandlungen (zum Beispiel Verschmelzung oder Ausgliederung) und Zuzüge aus anderen Meldebezirken.

Weniger Gewerbeaufgaben von Januar bis September 2020

Rund 64 300 Betriebe mit größerer wirtschaftlicher Bedeutung gaben von Januar bis September 2020 ihr Gewerbe vollständig auf. Das sind 13,8 % weniger als im Zeitraum von Januar bis September 2019.

Die Zahl der aufgegebenen Kleinunternehmen sank um 22,6 % auf 115 400 und die Zahl der aufgegebenen Nebenerwerbsbetriebe um 11,5 % auf rund 123 100. Damit war die Gesamtzahl der vollständigen Gewerbeaufgaben mit rund 302 800 Betrieben 16,5 % geringer als von Januar bis September 2019.

Auch hier sei davon auszugehen, dass die eingeschränkte Arbeitsfähigkeit der Gewerbeämter sowie die wirtschaftliche Unsicherheit in der Corona-Krise zu einem deutlichen Rückgang der Zahl der vollständigen Gewerbeaufgaben in den ersten drei Quartalen 2020 geführt haben, interpretiert Destatis.

Die Gesamtzahl der Gewerbeabmeldungen lag im Zeitraum Januar bis September 2020 mit rund 386 800 um 15,0 % unter dem Vorjahreswert. Hierbei handelt es sich nicht nur um Gewerbeaufgaben, sondern auch um Betriebsübergaben (zum Beispiel Verkauf oder Gesellschafteraustritt), Umwandlungen oder Fortzüge in andere Meldebezirke.

Begriffsdefinitionen

Betriebe mit größerer wirtschaftlicher Bedeutung

Von einer größeren wirtschaftlichen Bedeutung wird ausgegangen, wenn ein Betrieb durch eine juristische Person oder eine Gesellschaft ohne Rechtspersönlichkeit (Personengesellschaft) gegründet beziehungsweise aufgegeben wird. Auch von natürlichen Personen gegründete beziehungsweise aufgegebene Betriebe können hierunter fallen, sofern die Person im Handelsregister eingetragen ist, Arbeitnehmerinnen beziehungsweise Arbeitnehmer beschäftigt oder bei der Gründung eine Handwerkskarte besitzt.

Kleinunternehmen

Ein Kleinunternehmen ist definiert als Unternehmen, dessen Hauptniederlassung durch eine Nicht-Kauffrau oder einen Nicht-Kaufmann gegründet beziehungsweise aufgegeben wird und das nicht im Handelsregister eingetragen ist. Das Unternehmen beschäftigt zudem keine Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und besitzt bei der Gründung keine Handwerkskarte.

Nebenerwerbsbetriebe

Nebenerwerbsbetriebe sind Betriebe, die neben einer Haupterwerbstätigkeit im gewerblichen Bereich angemeldet werden.

Ein Beitrag von Martin Schmidt
Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis)
Bild: janjf93 auf Pixabay